Auf ein Wort

Liebe Gemeinde,

seit kurzem bin ich nun als Nachfolgerin für Pfarrerin Bettina-Maria Minth in der Vakanzvertretung in Haarbrücken mit einem halben Dienstauftrag (neben Ebersdorf) tätig – d.h. Schwerpunkte sind die Pfarramtsführung, Taufen, Trauungen und Beerdigungen sowie Gottesdienste.

Zu meiner Person: Ich bin verheiratet mit Claudia Zwölfer – und vermutlich fragen Sie sich, wie das möglich ist? Wir haben nämlich schon vor 33 Jahren geheiratet. Damals hatte ich einen männlichen Vornamen und Personenstand und kannte den Begriff „Transsexualität“ noch nicht. Nach langen inneren Findungsprozessen wurde mir 2011 endgültig klar, was mit mir los ist: Ich habe ein weiblich geprägtes Gehirn, das nicht zu meinem männlichen Körper passte – ich brauchte eine Geschlechtsangleichung. Nachdem ich mich meiner Frau gegenüber „offenbart“ hatte, entschied sie sich nach einigen Monaten zu meiner großen Freude, weiter mit mir verheiratet zu bleiben. Das ist seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Transsexuellenrecht seit 2008 auch rechtlich möglich (also schon einige Zeit vor dem Gesetz über die „Ehe für alle“).
Ich will das Thema hier nicht vertiefen, da ich nun einfach als Frau und Pfarrerin lebe – andererseits ist es auch kein Geheimnis und erklärt vielleicht, warum meine Stimme nicht so weiblich klingt (ich hatte einen Stimmbruch). Wer sich für das Thema und unsere Biografie näher interessiert, dem sei das Buch von Kathrin Werner „Liebesglück“ empfohlen. Darin haben wir viel erzählt (S. 152ff). Auch auf meiner privaten Homepage
www.familie-zwoelfer.de findet man ebenfalls mehr zu uns.
Während des Studiums in München sind mir vor allem das Neue Testament, die systematische Theologie und die praktische Theologie wichtig geworden. Ich liebe die Kirchenmusik und interessiere mich sehr für die Erwachsenenbildung. Einige Zeit war ich für Sekten- und Weltanschauungsfragen zuständig, ebenso für Gemeindeaufbau (Glaubenskurse, Hauskreisarbeit, neue Gottesdienstformen). Nun sind  wir in den Pfingsttagen angekommen. Doch wenn man Menschen in Umfragen zu Pfingsten fragt, kommt meist eine Antwort, die mit dem Fest nichts zu tun hat. Denn der Heilige Geist ist für viele Menschen etwas, mit dem sie nicht viel anfangen können. Doch Jesus selbst sagte: der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.  (Johannes 14,26). Der Heilige Geist wird hier auch „Tröster“ genannt, weil er Menschen tröstet durch das, was er tut: An Jesus Christus und seine Worte und Taten erinnern – er macht uns den Glauben lebendig. Er erinnert uns an die Gegenwart des Auferstandenen. Nun sagen manche Christen: Der Heilige Geist war nur etwas für die erste Generation Christen – doch in der Bibel finden wir in Apg 2,39, dass der Hl. Geist auch den nachfolgenden Generationen verheißen wurde. Der Heilige Geist ist kein Gespenst, auch wenn wir von einem Geist reden. Als ich noch Kind war, habe ich gerne Gespenstergeschichten gelesen oder gehört – meistens waren das ganz nette Geschichten, manchmal auch etwas gruselig – aber insgesamt kann ich heute sagen: Diese Gespenster- und Horrorgeschichten sind zwar ganz nett, interessieren mich aber eigentlich nicht – denn sie bringen für das Leben nichts und können einen im Leben auch nicht weiterhelfen.

Die Bibel beschreibt den Heiligen Geist manchmal als Wind. Der Wind bewegt Flugzeuge und Drachen – er bewegt die Windräder und vieles andere mehr. So ähnlich ist das auch mit dem Heiligen Geist. Er kann Menschen bewegen, indem er einem innerlich die Augen öffnet für Jesus. Wenn Gottes Geist Menschen ergreift, dann spricht mit einem Mal eine Predigt Menschen an, wie das zum Beispiel bei der Pfingstpredigt von Petrus war und viele ließen sich taufen. Lukas 11,(5-)13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! Man darf also Gott um mehr von seinem Geist bitten. So ist vielleicht dieses Pfingstfest ein Anlass für Sie, liebe Gemeinde, den Heiligen Geist im Gebet einzuladen, sie noch mehr zu erfüllen, als sie das vielleicht bisher erlebt haben?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Pfingsten!

Ihrer Vakanz-Pfarrerin Dorothea Zwölfer