Auf ein Wort

Liebe Gemeinde,

In meiner Zeit an der Friedenskirche Ansbach war ich auch für Sekten- und Weltanschauungsfragen im dortigen Dekanat beauftragt. Daher hatte ich immer wieder auch mit Aussteigern diverser Sekten zu tun. Manche erzählten mir Dinge, die mich erstaunten: Wie kann man sich in solche Abhängigkeiten begeben bzw. hineingeraten? Aber meistens ging so ein Prozess schleichend. Anfangs hatten viele den Eindruck: Das sind sehr nette Menschen und die Vorurteile gegenüber solchen Gruppen stimmen ja gar nicht. Dann besuchte man entsprechende Veranstaltungen und lernte Menschen aus der Gruppe kennen, die viel Zeit in der Gruppe verbrachten. Schließlich wurde einem deutlich, wie „böse“ die „Welt“ außerhalb der Gruppe ist und wie nötig man deshalb die entsprechenden Beziehungen verändern sollte… - und schließlich hatte man nur noch Beziehungen zu Menschen in der Gruppe, aber keine mehr zu anderen Menschen bzw. Verwandten. Dann wird so ein Ausstieg natürlich schwer. An all das erinnert mich die Losung für den Monat Februar:
Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. 1.Korinther 7,23
Damals – im Zusammenhang mit diesem Paulusbriefes an die Korinther ging es unter anderem um Fragen der Beschneidung (1 Kor 7,17ff). Die Berufung in die Nachfolge Christi – so sagt Paulus seiner Gemeinde – ist unabhängig von der Beschneidung und auch unabhängig von der sozialen Stellung in der Gesellschaft (1 Kor 7,21f). Wer von Gott in die Nachfolge Jesu berufen ist, dem gilt: Er ist durch Jesu Tod am Kreuz frei von aller Sünde. Man muss sich also nicht neu ein schlechtes Gewissen machen lassen im Blick auf „die böse Welt“. Es gibt letztlich nichts in dieser Welt, was uns von Gott trennen kann – sonst wäre das Kreuz Christi überflüssig. Paulus betont: Nichts kann uns von Christus trennen (vgl. Röm 8,38-39). Deshalb sind wir frei, sobald wir die Bedeutung des Kreuzestodes Christi und seiner Tat am Kreuz für uns selbst erkennen. Darum macht es keinen Sinn, sich innerlich neu von Menschen abhängig zu machen.

Es grüßt sie herzlich Ihre Pfarrerin Dorothea Zwölfer